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LINZFEST09: 30. - 31. Mai 2009 / 1.6.2009 Kulturpicknick - Im Donaupark zwischen Lentos und Brucknerhaus.
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Slow Food – Geschmackszelt

Slow Food – Geschmackszelt

Von der Vielfalt der Sinne

Beim diesjährigen LINZFEST begeben wir uns auf eine Reise in Land der Sinne. Neben dem akkustischen Ohrenschmaus von Musikern aus Marseille und Maribor, Turku und Tallinn oder Graz und Glasgow, verwöhnen uns Köche aus dem Slow Food Netzwerk und aus den Kulturhauptstädten mit feinsten regionalen, saisonalen und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln.

Was aber macht den wahren Genuss aus? Beschränkt sich die Ess-Kultur auf das korrekte Benehmen am Tisch und im Restaurant, zeigt sich Ess-Kultur im Alltag, oder welchen Stellenwert nimmt das Essen ein? Es verlangt einer entsprechenden Schulung, Sensibilisierung und Weiterentwicklung unserer Sinne, damit wir wieder fähig sind, Qualität in seiner ganzen Vielfalt und seinen unterschiedlichsten Nuancen zu erkennen. Hierfür sorgt ein Sinnesparcours von Slow Food Linz, der allen BesucherInnen
(Familienpublikum, kulinarischen ExpertInnen und InteressentInnen) die Möglichkeit gibt, ihr Sinnesvermögen spielerisch zu testen, zu vertiefen, zu beschreiben und in Zukunft auch bewusster einzusetzen und wahrzunehmen, damit der Weg von einer einheitlichen Welt zu einer bunten, sinnlichen eingeschlagen wird. Es ist nicht nur die Zunge oder die Nase, die Lebensmitteln als gut schmeckend bewerten.

Neben dem Geschmack ist das Aroma (wie beim Kaffee) für den gesamten Genuss verantwortlich. Zusätzlich bedeuten die Tastgefühle (beim Schlecken eines Eis) oder die Akustik (Biss in einen Apfel) eine sinnliche Befriedigung. Nicht zuletzt beurteilen wir auch mit unseren Augen die Lebensmittel nach „ästhetischen“ Gesichtspunkten. Freilich spielen beim Geschmack persönliche, kulturelle, historische, gesellschaftliche, wirtschaftliche wie auch zufällige Erfahrungen und Aspekte eine prägende Rolle.

Sinnespfad

Auf dem Sinnespfad gibt es mehrere Stationen: an der Ersten steht das Schmecken im Vordergrund, die Intensität von Geschmack und die unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen werden abgefragt. Bei der Station Sehen wird der Blick für optische Reize geschärft. Die Übung des Riechens beschäftigt sich mit dem Erkennen von verschiedenen Obst und Gemüsesorten sowie frischer Gewürze. Die vorletzte Station ist dem Tasten gewidmet, unterschiedliche Oberflächen und Konsistenzen werden abgefragt und beschrieben. Zum Schluss gibt es noch die Möglichkeit verschiedene Küchengeräusche richtig einzuordnen.

Als einprägsames Finale hat jede/r die Möglichkeit, das bisher Gelernte anhand einer Verkostung von Spargel innerhalb von 5 - 15min. zu praktizieren und zu vertiefen.

Slow Food

Slow Food, eine Nichtregierungsorganisation, wurde 1986 vom Italiener Carlo Petrini gegründet und setzt sich weltweit mit mittlerweile über 100 000 Mitgliedern für das Recht auf Genuss, den Schutz der Biodiversität, die Förderung regionaler Geschmacksvielfalt, die Pflege der traditionellen und nachhaltigen Handwerkskunst, wie für die Vernetzung von ProduzentInnen und KonsumentInnen ein. Es geht um Lebensmittel und Produktionsmethoden, die gut, nachhaltig und fair sind. Dabei verwirklicht Slow Food verschiedene Projekte wie die Universität der gastronomischen Wissenschaften (UNISG), essbare Schulgärten (Kinder legen Gärten an ihren Schulen an, ernten und verkochen die angebauten Lebensmittel) und der Terra Madre (ein Netzwerk von LebensmittelproduzenInnen, VertreterInnen lokaler Gemeinschaften, KöchInnen, WissenschafterInnen und jungen Leuten). Nicht zuletzt gibt es die Stiftung für biologische Vielfalt. Diese versucht traditionelle Kornarten, Gemüsesorten, Früchte, Tierarten und Lebensmittelprodukte zu schützen, die aufgrund der weiten Verbreitung von „bequemem Essen“ und industrieller Agroindustrie langsam verschwinden.

Durch das Wiedererwecken und Schulen der Sinne, hilft Slow Food Menschen dabei, die Freude am Essen wiederzuentdecken und die Wichtigkeit dessen Ursprunges, der ProduzentInnen und der Herstellungsmethoden zu verstehen. Um tagtägliches Essen gesünder und besser zugänglich zu machen, wird mit Schulen, Krankenhäusern und Justizanstalten in 60 Ländern zusammengearbeitet. Beispiel: 120 StudentInnen aus Berioza, Weißrussland sind seit zwei Jahren in ein praktisches Experiment involviert, bei dem sie lernen ihre Sinne richtig zu gebrauchen um gute Lebensmittelqualität zu erkennen. Slow Food will die Leute aufklären, was hinter Lebensmitteln steckt und Bewusstsein für die Zusammenhänge von Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Gesundheit und echtem Genuss schaffen. Jede(r) soll animiert werden, ökologische, soziale, kulturelle und (tier)ethische Gesichtspunkte zu berücksichtigen, anstatt einseitig ökonomischen Kriterien zu folgen. Daraus entsteht verantwortungsvoller Genuss.